Sauberkeitserziehung im KleinkindalterTipps für Eltern zur Unterstützung ihrer Kleinen beim Sauberwerden
Wann wird mein Kind sauber? Diese Frage stellen sich viele Eltern; mit ein paar Tricks können sie ihre Kleinen bei der Sauberkeitsentwicklung hilfreich unterstützen
Die Fähigkeit, sauber und trocken zu werden, bedeutet für kleine Kinder zunächst einmal, entsprechende körperliche Funktionen unter Kontrolle zu bekommen; Muskeln, die bisher einem Reflex folgten, sollten willkürlich betätigt werden. Dieser Entwicklungsvorgang beinhaltet jedoch weit mehr als die Reifung der willkürlichen Muskulatur und deren Verschaltung mit dem zentralen Nervensystem. Vielmehr hängt der Prozess des Trockenwerdens zum einen vom Verständnis des Kindes ab, was da von ihm verlangt wird und zum anderen von der Wahrnehmung des Kindes, welche Vorgänge sich beim kleinen und großen Geschäft überhaupt in seinem Körper abspielen. Im Allgemeinen erlangt ein Kind diese Fertigkeiten nicht vor seinem achtzehnten Lebensmonat. Für Eltern, die ihrem Kind dabei helfen wollen, sauber und trocken zu werden, sind dies wichtige Informationen, denn alle Versuche, die früher gestartet werden, können als passiver Dressurakt beschrieben werden und bringen weder dem einen noch dem anderen wirklich etwas. Ein Kind muss lernen, was Sauberkeit bedeutetSaubersein ist für Kinder mit einem wirklichen Lernprozess verbunden und kann nicht andressiert werden, wenn ein dauerhafter Erfolg erreicht werden soll. Richtiges Lernen heißt für die Kleinen, zunächst die entsprechenden Symptome wahrzunehmen, die ihnen signalisieren, dass sie „müssen“. Als nächstes sollten Kinder in der Lage sein, entsprechende Körperempfindungen zu melden, damit die Bezugsperson die Möglichkeit hat, rechtzeitig helfend zu begleiten, sei es beim Gang auf das Töpfchen oder auf die Toilette sowie beim An- und Ausziehen. Wichtig ist auch, dass die Kinder merken, dass sie, wenn nötig, Urin oder Stuhlgang zurückhalten können, bis sie auf der Toilette bzw. auf dem Topf sitzen. Um zu einem längerfristigen Erfolgserlebnis für sich selbst und auch für die Eltern zu gelangen, muss ein Kind sozusagen in sich hineinfühlen können und ein Gespür für sich selbst und den eigenen Körper entwickeln. Motive, die einem Kind das Sauberwerden erleichternMit der Zeit entwickeln sich im Zusammenhang mit der Sauberkeitsentwicklung mehrere wichtige Motive, die einem Kind dabei helfen, sauber zu werden. Zum einen versucht es, seine Eltern, die es liebt und bewundert, in allem, was es bei ihnen beobachtet, nachzuahmen, so auch beim Gang auf die Toilette. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Eltern ihr Kind mit auf das stille Örtchen nehmen, wenn es das möchte, damit es beobachten und lernen kann. Zusätzlich reift in den Kinder das Gefühl, etwas zu produzieren als Leistung, Geschenk oder Gefallen für ihre Bezugspersonen, da diesen offenbar etwas daran liegt. Dieser Entwicklungsschritt erfolgt umso leichter, je häufiger ein Kind für Erfolge auf dem Töpfchen oder der Toilette von den Eltern, den Großeltern oder anderen Begleitpersonen kräftig gelobt wird. Noch dazu kommt, dass kleine Kinder natürlich bestrebt sind, groß und selbständig zu werden; sie wollen irgendwann alles alleine machen, auch auf die Toilette gehen, um nicht mehr darauf angewiesen sein, von anderen gewickelt zu werden. Hilfreiche Tipps für Eltern zur Sauberkeitserziehung ihrer KinderDer Prozess des Sauberwerdens ist für fast alle Kinder eine Entwicklung, die sowohl mit Erfolgen aber auch mit so manchem Misserfolg gekoppelt ist. Dabei lernen die Kinder durch die erfolgreichen Versuche deutlich besser als durch Fehler, die ihnen natürlich auch unterlaufen werden. Eltern können ihre Kleinen durch die Beherzigung einiger hilfreicher Tipps erfolgreich bei der Sauberkeitsentwicklung unterstützen. Dafür müssen sie jedoch zunächst einmal lernen, auf die entsprechenden Signale ihrer Schützlinge aufmerksam zu werden. Sie müssen ein Gespür dafür bekommen, das kindliche Verhalten im entsprechenden Fall richtig zu deuten, um dann möglichst schnell auf den Topf oder die Toilette gelangen zu können. Grundsätzlich sollten Eltern ihrem Kind im Bezug auf den Toilettengang die aktive Rolle überlassen. Sind die typischen Anzeichen zu erkennen, sollten sie ihrem Kleinen vorschlagen, das Töpfchen oder die Toilette zu benutzen, ohne es jedoch dazu zu zwingen. Manche Kinder äußern auch ganz selbständig den Wunsch, auf das Töpfchen zu gehen; Eltern sollten dies immer ernst nehmen und entsprechend handeln. Niemals sollte ein Kind daran gehindert werden, sich auf die Toilette oder auf den Topf zu setzen. Gut ist es auch, ein Töpfchen stets sichtbar und leicht erreichbar für die Kleinen aufzustellen. Von großer Wichtigkeit ist es auch, das Kind stets deutlich für sein erfolgreiches Geschäft zu loben, denn das motiviert und fördert Wiederholungsversuche. Druck durch die Eltern stört die Sauberkeitsentwicklung des KindesViele Eltern sehen die Erziehung ihres Kindes zur Sauberkeit noch immer als Prüfstein ihrer eigenen erzieherischen Fähigkeiten, die stark mit dem eigenen Selbstwertgefühl verknüpft sind. Natürlich hängt dies auch mit oftmals zu hohen Erwartungen anderer zusammen, seien es Großeltern, Freunde und leider auch Erzieher/innen von Kindergärten. Ein solcher Druck wirkt sich fast immer negativ auf den Verlauf und den Fortschritt der Sauberkeitsentwicklung aus, zudem kann er auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind belasten. Aus diesen hinderlichen Gründen sollten Eltern der Entwicklung des Sauber- und Trockenwerdens ihrer Kinder stets dieselbe Gelassenheit zukommen lassen, die sie beispielsweise auch dann zeigen, wenn ihre Sprösslinge beispielsweise lernen, Laufrad zu fahren. Quellenangabe: Stiftung Warentest: Handbuch Kinder – Von winzig klein bis ganz schön groß, Stiftung Warentest, Berlin, 1996, Hardcover Buch, Seite 80ff. Priv. Doz. Dr. rer. Nat. Gabriele Haug-Schnabel: Wie Kinder sauber werden können, Oberstebrink Verlag GmbH, Ratingen, 2003, Hardcover Buch.
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